Aids-ABC

Aids:

Abk. f. engl. Aquired Immune Deficiency Syndrome = erworbenes Immunschwächesyndrom. Tödlich verlaufende Folgeerkrankung der Infektion mit HIV durch Verminderung der Abwehrfähigkeit des Körpers gegenüber Krankheitserregern. Von Aids spricht man, wenn das Immunsystem bereits stark geschädigt ist und die HIV-infizierte Person bestimmte Tumore und Infektionskrankheiten aufweist.

Aids-definierende Erkrankung:

Krankheitsbilder, die die Diagnose Aids zulassen.

Aids-Test:

siehe HIV-Antikörpertest

Analverkehr:

Einführen des Gliedes in den After. Ungeschützt stellt der Analverkehr ein hohes Risiko für eine HIV-Übertragung dar.

antiretrovirale Medikamente:

speziell gegen die Vermehrung von Retroviren (z. B. HIV) entwickelte Substanzen.

Bisexualität:

sexuelle Anziehung durch Männer und Frauen

BtMG:

Abk. f. Betäubungsmittelgesetz.

BZgA:

Abk. f. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sie ist u. a. zuständig für Aids-Aufklärung.

Cannabis:

Haschisch. Der Wirkstoff THC kann inzwischen künstlich hergestellt werden (als Dronabinol). Der Einsatz in der Behandlung von Aids-Kranken ist möglich.

CD4:

an der Oberfläche von verschiedenen Körperzellen (u. a. T-Helferzellen) gelegenes Protein. HIV bindet u. a. über den CD4-Rezeptor an diese Zellen.

compliance:

engl. = Bereitschaft. Fähigkeit eines Patienten zur Mitarbeit bei therapeutischen oder diagnostischen Verfahren.

DAH:

Abk. f. Deutsche AIDS-Hilfe e. V. Bundesverband von über 130 Mitgliedsorganisationen. Organisation der Selbsthilfe interessengeleiteten Facharbeit.

Deutsche Aids-Stiftung:

Stiftung, die Menschen mit HIV und Aids finanziell unterstützt, Projekte von Selbsthilfe-Initiativen und AIDS-Hilfe-Organisationen fördert und sich für die sozialen Interessen Betroffener einsetzt.

Diagnostisches Fenster:

Phase nach einer HIV-Infektion, in der mit dem HIV-Antikörpertest (Suchtest) die Infektion noch nicht nachweisbar ist, da noch nicht genügend Antikörper vorhanden sind. Um ein zuverlässiges HIV-negatives Ergebnis zu bekommen, sollte der letzte Risikokontakt mind. 6 Wochen zurückliegen.

Drogenabhängigkeit:

physische oder psychische Abhängigkeit von (illegalisierten) Rauschmitteln; übermäßiger, meist suchtgesteuerter Konsum von Rauschmitteln.

Druckraum:

Einrichtung, die für intravenösen Drogengebrauch unter kontrollierten Bedingungen geschaffen wurde und in der bei Drogenzwischenfällen Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden.

Ecstasy, auch: XTC :

synthetische Droge mit dem Wirkstoff MDMA, der wahrnehmungsverändernd wirkt. Verbreitet in der Technoszene.

fäkal-oral:

Übertragung von Krankheitserregern durch Aufnahme von mit Kot verunreinigten Stoffen über den Mund.

Hepatitis:

  • infektiöse (durch z. B. Viren bedingte) oder
  • toxische (durch Gifte, Medikamente oder Alkohol verursachte) Leberentzündung.

Heterosexualität:

sexuelle Anziehung durch Menschen des anderen Geschlechts

HIV:

Abk. f. engl. Human Immunodeficiency Virus = Humanes Immunschwächevirus. Retrovirus, der 1983 als Erreger von Aids identifiziert wurde. Zunächst als LAV-1, ARV oder HTLV-III bezeichnet. Nach der Infektion mit HIV kann es zu grippeähnlichen Symptomen kommen, die Zeichen für eine Immunantwort sind. Nachweisbar ist der Infekt durch einen Bluttest (HIV-Antikörpertest).

HIV-Antikörpertest:

Nachweis einer HIV-Infektion durch Bluttest. Nach der Infektion mit HIV werden vom Immunsystem Antikörper gebildet, die zunächst durch einen Suchtest (z. B. ELISA) nachgewiesen werden. Der Test darf nur mit Einwilligung des Patienten und nach ausführlicher persönlicher Beratung durchgeführt werden.

Homosexualität:

sexuelle Anziehung durch Menschen des eigenen Geschlechts.

Impfung:

  • Schutzimpfung vor Kontakt mit Krankheitserregern durch aktive Immunisierung (Gabe von lebenden oder toten körperfremden Substanzen oder Erregern zwecks Anregung zur Bildung von Antikörpern).
  • Therapeutische Impfung nach Infektion mittels passiver Immunisierung (Gabe von Antikörpern zur Abwehr einer Infektion).

Bisher gibt es keinen zugelassenen Impfstoff, um vor einer HIV-Infektion zu schützen.

Infektion:

Ansteckung mit krankheitserregenden Bakterien, Mikroben, Parasiten oder Viren.

Inkubationszeit:

asymptomatische Phase zwischen einer Infektion und Ausbruch der Krankheit.

JES:

Abk. f. Junkies, Ex-User, Substituierte. Selbsthilfeorganisation von Drogengebrauchern, ehemaligen Drogengebrauchern und mit Methadon Substituierten.

Kombinationstherapie:

gleichzeitige Behandlung mit verschiedenen Medikamenten mit dem Ziel einer gesteigerten Wirkung oder Minderung unerwünschter Nebeneffekte. Die K. gegen HIV besteht aus Nukleosidanaloga (NNRTI, NRTI) und PIs.

Kondom:

mechanisch wirksames Mittel zum Schutz vor Schwangerschaft und sexuell übertragbaren Krankheiten. Überzug für den Penis aus Latex oder Polyuhrethan.

maternofetale Transmission:

Übertragung von der Mutter auf das Kind. HIV kann während der Schwangerschaft, der Wehen und der Geburt oder durch Muttermilch beim Stillen übertragen werden. Das Risiko der Transmission kann durch antiretrovirale Medikamente während der Schwangerschaft, Schnittentbindung (z. B. Kaiserschnitt) vor Einsetzen der Wehen sowie Verzicht auf das Stillen beachtlich verringert werden.

Monotherapie:

Behandlung mit nur einem Medikament oder Verfahren. Bei der HIV-Therapie wird heute meist eine Kombination aus verschiedenen antiretroviralen Medikamenten gegeben (Kombinationstherapie).

Mutter-Kind-Übertragung:

siehe maternofetale Transmission

needle-sharing:

engl. Bezeichnung für den gemeinsamen Gebrauch von Spritzen bzw. Injektionsnadeln unter i.v.-Drogengebrauchern. Der Austausch des Spritzbestecks stellt den Hauptübertragungsweg von HIV und Hepatitis C bei Drogengebrauchern dar.

Nukleosidanaloga:

Künstliche chemische Verbindungen, die den Wirkungsort der Reversen Transkriptase besetzen, dadurch den Aufbau von Nukleinsäuren stören und so die Vermehrung von HIV hemmen. Verfügbare N. sind NRTIs (Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmer) und NNRTIs (Nicht-Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmer).

opportunistische Infektion:

Infektion bei Menschen mit Immundefekt (z. B. AIDS) durch Mikroorganismen, die normalerweise nicht zu einer Erkrankung führen, sich aber die Abwehrschwäche des Körpers zunutze machen.

Oralverkehr:

Geschlechtsverkehr mit Beteiligung des Mundes.

PEP:

Abk. f. Postexpositionsprophylaxe. Vorbeugende Maßnahmen unmittelbar nach Exposition (Kontakt) mit Krankheitserregern, um eine Infektion zu verhindern.

  1. Bei beruflicher Exposition mit HIV durch Nadelstich- oder Schnittverletzungen wird neben Ausbluten lassen und antiseptischer Spülung der Wunde (mit Betaseptic oder anderem Händedesinfektionsmittel die antiretrovirale Kombinationstherapie empfohlen.
  2. Nach sexueller Exposition mit HIV sollte der Penis gewaschen und uriniert werden. Bei Aufnahme von infizierter Samenflüssigkeit in den Mund sollte diese sofort ausgespuckt und die Mundhähle mehrfach mit Wasser gespült werden. Von Darm- oder Vaginalspülungen sollte aufgrund des Verletzungsrisikos und der damit einhergehenden Erhöhung der Übertragungswahrscheinlichkeit abgesehen werden. Zudem wird eine medikamentöse Behandlung empfohlen.

Die Behandlung sollte möglichst innerhalb von 2 Stunden nach der riskanten Situation begonnen werden! Auch bei einem Beginn innerhalb von 24 Stunden wird die PEP noch als sinnvoll erachtet, wenn bereits 48 Stunden vergangen sind, wird der Nutzen der Behandlung fraglich.
Aktuelle Informationen über Ambulanzen, die die PEP anbieten, sind unter http://www.aidshilfe.de unter "HIV-PEP" in der linken Menüleiste zu finden.

PI:

Abk. f. Proteasehemmer. Auch Proteaseinhibitor. Substanzen, die die Reifung von infektiösen HIV-Partikeln und den Aufbau der Virusstruktur hemmen.

Prävention:

Vorbeugung, Verhütung.

PrEP:

Abk. f. Prä-Expositions-Prophylaxe. Vorbeugende Maßnahmen vor einem Risikokontakt mit Krankheitserregern, um eine Infektion zu verhindern.

HIV-negative Menschen nehmen das HIV-Medikament Truvada ein (mit dem auch eine HIV-Infektion behandelt wird), um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Truvada ist seit Herbst 2016 in Deutschland für die PrEP zugelassen. Die Kosten müssen jedoch privat getragen werden.

Die Wirksamkeit der PrEP ist bisher vor allem bei Männern, die Sex mit Männern haben, nachgewiesen, bei regelmäßiger Anwendung entspricht der Schutz vor HIV dem durch ein Kondom.

Vor Beginn einer PrEP sind ein HIV-Test und ärztliche Untersuchungen, z.B. zur Funktionsfähigkeit der Nieren, erforderlich. Als Nebenwirkungen der PrEP sind unter anderem eine Abnahme der Nierenleistung und der Knochendichte bekannt.
Aktuelle Informationen zur PrEP sind unter http://www.aidshilfe.de zu finden.

Retrovirus:

Virus, das als Erbinformation RNA enthält. HIV gehört als Retrovirus zu der Untergruppe der Lentiviren.

Risikoverhalten:

Verhalten, das mit erhöhtem Risiko für die Übertragung einer Krankheit einhergeht. Auf eine HIV-Infektion bezogen gelten z. B. ungeschützter Geschlechtsverkehr und gemeinsamer Nadelgebrauch unter Drogengebrauchern als R.

RKI:

Abk. f. Robert-Koch-Institut. Bundesbehörde für Infektions- und nicht übertragbare Krankheiten. U.a. werden hier die anonym gemeldeten HIV-Infektionen und AIDS-Fälle erfasst.

safer sex:

Sexualverhalten, mit dem das Risiko einer HIV-Übertragung verringert werden kann, z. B. durch die Verwendung von Kondomen.

safer use:

Vermeidung von HIV-Infektionen unter Drogengebrauchern durch Verwendung von sterilem oder eigenem Spritzbesteck bzw. Verzicht auf needle-sharing.

Viruslast:

Menge von HIV im Blut, die durch verschiedene Methoden bestimmt werden kann und in Zahl der Kopien/ml angegeben wird. Sie ist Anhaltspunkt für den Beginn einer antiretroviralen Therapie und ihre Wirksamkeit bzw. wird als Aussagekriterium für den Krankheitsverlauf verwendet.

Welt-AIDS-Tag:

Jährlich wiederkehrender Gedenk- und Aktionstag am 1. Dezember.